3. Gedichte

3.8 Spuren

 

Von allen Lebewesen

im Jetzt und im Gewesen

sind Spuren zu lesen.

 

Alle Kreaturen

aus vielen Kulturen

hinterliessen Spuren.

 

Muscheln, Schnecken gross und klein

Pflanzenblatt, Haifischgebein

Spuren im Stein.

 

Amselgesang aus voller Brust

Libellengeschwirr in ihrer Lust

sind Spuren der Luft.

 

Regenwürmer, Asseln, Werre

wühlen all in ganzer Herde

Spuren in die Erde.

 

Espenlaub zittert geschwind

Pflanzensamen segeln blind

Spuren im Wind.

 

Eibenbeeren leuchten rot

Fuchsenschädel in blasser Not

Spuren von Leben und Tod.

 

Ein Findling rastet nach langer Reis

versteinerte Wellen sind Beweis

Spuren von Meer und Eis.

 

Eine Frage, kaum zu fassen

welche Spuren hinterlassen

dereinst die Menschenrassen?

 

 

Erich Sammet

(von Aachmühle bis Martinsbrugg, lyrischer Bilderbogen 1999)