3. Gedichte

3.5 Brief an die Rappensteiner

 

Ach ihr schwarzen Rappensteiner

eure Burg wird klein und kleiner,

was ihr erbaut in stolzem Wahn

zerfällt zu stumpfem Stummelzahn.

 

Wo einst eure Sporen klirrten

nur noch ein paar Grillen zirpen.

Mauern, die euch in Schutz gehalten,

von Wurzeln sind sie aufgespalten.

 

Was trieb euch nur, welch spassig Launen,

ins Tobel eine Burg zu bauen?

Ungestört Gelage feiern?

Frauen von den Bauern freiern?

 

Gold verstecken im Gemäuer?

Bewacht vom Hunde – Ungeheuer?

Mancher hat darnach gegraben,

angespornt durch vage Sagen.

 

Die Historik hat beschrieben

welch ruchlos Leben ihr getrieben.

Drum trauert um euch keine, keiner,

vermodert weiter, Rappensteiner!

 

 

Erich Sammet

(von Aachmühle bis Martinsbrugg, lyrischer Bilderbogen 1999)