2. Beschreibung des Gebietes

2.6 Zusammenfassung und Zukunft

 

Das beschriebene Gebiet ist mir seit meiner Kindheit bekannt. Als Schüler klebte ich zur Aufbesserung des Taschengeldes die Schusslöcher im Scheibenstand Schaugenbädli zu und las Patronenhülsen auf. Ein Samstagnachmittag wurde mit 3 Franken entlöhnt. Am liebsten aber strolchte ich mit meinen Eltern, Freunden und später mit meinen eigenen Kindern durch das Gebiet.

Die Landschaft hat sich nicht wesentlich verändert. Zwar konnte ich die wunderbar duftende, dunkelgelbe Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris) nicht mehr finden. Auch die seltene, einst in diesem Gebiet nachgewiesene Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) habe ich nicht angetroffen. Ansonsten aber ist das Gebiet die wildromantische Landschaft trotz der Nähe grösserer Aglomerationen geblieben wo die Natur, weitgehend sich selbst überlassen, immer wieder neue Stufen der Sukzession mit ihren Pionierpflanzen hervorbringt. Durch die teilweise Unwegsamkeit für Menschen haben eine Vielzahl von Pflanzen-, Säugetier-, Vogel-, Amphibien-, Insekten- Spinnenarten ihr Refugium behalten.

Das Gebiet Aachmühle bis Martinsbrugg ist ein Eldorado für Naturfreunde und Erholungssuchende in Stadtnähe. Schulklassen aller Stufen kann hier naturkundlicher Unterricht im Freien vermittelt werden. Heute selten gewordene Gebiete, wo durch natürlich ablaufende Prozesse Artzusammensetzungen und Lebensgemeinschaften ständig ändern, kann hier spür- und erlebbar werden. Anders als in Naturschutzgebieten darf hier mit der nötigen Rück- und Vorsicht noch ein Feuer entfacht, Wasser gestaut , gebadet, eine Waldhütte gebaut werden.

Unterhalb der Aachmühle, wo der Damm zur Wasserfassung des EW-Werkes der Stadt St.Gallen die Goldach trennt, haben Bauzeichnerklassen der GBS St.Gallen ein Projekt zur Erstellung einer Fischtreppe, ausgearbeitet. Dadurch könnte der genetische Austausch der Fischarten zwischen Ober- und Unterlauf der Goldach wieder gewährleistet werden.

Ein Projekt des Zivilschutzes sieht vor, den an manchen Stellen unterbrochenen Fusspfad entlang der Goldach von Aachmühle bis Schaugenbädli wieder instand zu stellen.

In einer noch als Vision geltenden Studie möchte Pro Natura einen Wildnispark Goldachtobel errichten. Dieser würde sich von der Aachmühle bis zur Autobahnbrücke oberhalb Goldach erstrecken. Die Studie schlägt verschiedene Verbesserungen zur Erhaltung dieser dynamischen Landschaft vor. So sollen zum Beispiel empfindliche Bereiche wie Waldränder, Sumpf- und Rietwiesen, Hecken und Flächen im Bereich der Zuflussgewässer aus der landwirtschaftlichen Nutzung entlassen und als ökologische Ausgleichsflächen behandelt werden. Die schon jetzt untergeordnete Forstwirtschaft soll eingestellt und die Wälder einer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Den Menschen soll der Wildnispark als Erholungs- und Naturerlebnisgebiet frei zugänglich bleiben.

Möglicherweise hilft die vorliegende Arbeit mit, diese Vision dereinst zu verwirklichen.