2. Beschreibung des Gebietes

2.4 Geschichte

 

Kurz nach der Ortschaft Speicherschwendi führt ein Fahrsträsschen hinab zur Aachmühle. Links vor der im Jahr 1701 erbauten, gedeckten Holzbrücke steht ein Wohnhaus mit kleinem Schreinerbetrieb. Vom Kellergeschoss aus gelangt man durch eine Falltüre in ein 2. Untergeschoss. Die Hälfte dieses Raumes ist 3 Meter abgesenkt und mit klarem Wasser gefüllt. Deutlich sind Einrichtungen eines früheren Mühlbetriebes zu sehen. Ein Stollen für Wassereinlass, einer für Wasserausfluss. Die ehemalige Lage des Mühlrades ist gut erkennbar. Ein Mühlstein dient heute als Fundament eines Stützpfeilers.

Die Alte Mühle auf der anderen Seite der Goldach brannte 1896 ab und wurde nur noch als Wohn- und Wirtshaus wieder aufgebaut.

300 Meter Flussabwärts erbaute die Stadt St.Gallen im Jahre 1897 eine Wasserfassung. Ein Damm staut die Goldach vollständig. In einem mehrere Kilometer langen Stollen wird das Wasser zum EW der Stadt St.Gallen in die Lochmühle geführt.

Eine weitere Mühle lag ein gutes Stück unterhalb dieser Wasserfassung. Im heutigen, unwegsamen Tobel, hinter grossen, im Wasser liegenden Steinblöcken liegt ein Mühlestein. "Was der alte Mühlestein von der Ewigkeit erzählt" kann bei genauem Zuhören vernommen werden. Auch Mauerreste linksseitig der Goldach sind an dieser Stelle noch erkennbar.

Bis zu Beginn des 1.Weltkrieges wurde auch im Gebiet Schaugenbädli die Maismühle Schaugenmühle betrieben. Der Name Schaugenmühleweg erinnert daran.

Im Schaugenbädli, unterhalb des Scheibenstandes, wurde in einem Stollen im 1. und 2. Weltkrieg Kohle abgebaut. Dieser Stollen wurde durch den Felssturz 1976 endgültig ver-schüttet.

Im Schaugenbädli, wie der Name besagt, herrschte früher reger Badbetrieb. Aus einer Quelle, deren Wasser Heilkräfte zugeschrieben wurden, wurden Badewannen gefüllt. Aber auch an der Goldach unten, an dieser Stelle früher natürlich angestaut, lag ein beliebter Badeplatz mit Wannenbadanlagen.

Der Schützenstand wurde 1890 durch die Gemeinde Tablat erstellt. Nach der Stadtverschmelzung werden die Schiessanlagen bis heute durch den Stand-Schützenverein St.Gallen Ost betrieben.

Die eindrücklichste Geschichte in diesem Gebiet schreibt unzweifelhaft die Burg Rappenstein. Von der Fürstabtei St.Gallen wurden zur Sicherung wichtiger Einfallswege Schutzburgen erstellt. Neben der Burg Falkenstein gehörte auch Rappenstein dazu. Bereits 1281 wohnt dort zeitweise Wilhelm von Montfort, Fürstabt von St.Gallen. Diese Burgen wurden in den Appenzellerkriegen im Jahr 1401 zerstört.

Auf alten Beschreibungen und Karten ist der damalige Weg als Verbindung von St.Gallen ins Appenzellerland oder an den Bodensee beschrieben. Vor der ersten, im Jahr 1468 erbauten Holzbrücke übers Martinstobel führte der Weg hoch über dem Tobel der Goldach entlang aufwärts ins Gebiet des heutigen Schaugenbädli, von dort an der Burg vorbei zur Goldach hinunter über eine Furt und dann hangwärts hinauf Richtung Eggersriet.

Besitzer der Burg Rappenstein waren zeitweise auch die Herren vom Geschlecht der Mötteli, welche sich von Rappenstein nannten. Durch Handel und Händel waren sie für damalige Zeiten unermesslich reich geworden. Aber auch streitsüchtig und mit ihren Untertanen alles andere als zimperlich umgehend werden die Herren von Rappenstein in Geschichtsbüchern und Sagen beschrieben. Deshalb konnte auch der "Brief an die Rappensteiner" nicht allzu freundlich ausfallen.

In der Stadt St.Gallen wird alljährlich Ende Dezember bei einer Brauchtumsveranstaltung dem wilden Treiben der Rappensteiner gedacht.

An der schmalsten Stelle des ganzen Martins- und Goldachtobels baute 1468 Anton Falk die erste Hängewerk Holzbrücke. Im 19. Jahrhundert erhielt diese noch einen Oberbau.

Diese Brücke wurde 1876/77 durch eine 34 Meter lange Eisenfachwerkbrücke ersetzt. Erbauer waren die Ingenieure J.B. Gubser und F. Bersinger.

Die letzt erbaute, heute bestehende Brücke, eine Sprengwerkkonstruktion in Beton stammt aus dem Jahr 1968.